KÖNIGS WUSTERHAUSEN Wenn Michael Leitert morgens aufwacht,
hat er oft einen harten Tag vor sich. Er muss nicht nur Brände löschen
und Leben retten, sondern sich nebenbei auch noch mit ver-ärgerten Kunden
herumschlagen, die nicht einsehen wollen, dass ein brennendes Haus wichtiger
sein kann, als ein schmutziger Schornstein. „Wenn mein Pieper sich wieder
mal während eines Kundengesprächs meldet, muss ich jedes Mal neu überlegen“,
erklärt Michael Leitert. Am Ende entscheidet er sich oft sogar für
den Kunden. „Wir haben zum Glück genug Leute, die einsatzbereit sind
und mich ersetzen können“, meinte er.
Michael Leitert arbeitet nicht nur bei der Freiwilligen Feuerwehr Königs
Wusterhausen als stellvertretender Stadtwehrführer. Er ist auch noch als
Schornsteinfeger auf Achse. Als Stadtjugendwart Mike Krause ihn eines Nachmittags
anrief, um ihm von seiner Idee zu erzählen, einen simulierten Brandeinsatz
für junge Nachwuchskräfte zu organisieren, war Michael Leitert sofort
begeistert. „Wir haben dann gleich überlegt, wie wir das Ganze am
besten angehen“, so Leitert.
Vorigen Samstag um 10 Uhr ging es dann richtig los. Gleichzeitig wurden am und
um den Hafen drei Einsätze simuliert – ein Waldbrand, ein Brand eines
Eisenbahnwagens und ein Pkw-Unfall. Da ging es drunter und drüber, denn
einen Einsatz zu bewältigen, ist eigentlich schon schwer genug. Michael
Leitert, der das Ganze als Einsatzleiter koordinierte, hatte alle Hände
voll zu tun. Denn in solchen Fällen heißt es, schnell und überlegt
handeln. Im wirklichen Leben, wären bei solchen Einsätzen immer auch
Menschenleben in Gefahr. Die Situation wurde detailgetreu nachgestellt.
Die 24-Jährige Cottbusserin Jessica Juhasz spielte bei dem PKW-Unfall eine
Mutter mit zwei Kindern, die schnellstens medizinisch versorgt werden musste.
Hauptberuflich arbeitet die junge Frau bei den Johannitern. Für den Unfall
war sie blass geschminkt. „Man muss schon ein bisschen schauspielerisches
Talent haben, wenn man bei solchen Unfall-Darstellungen mitmachen will“,
erklärte sie. „Vor allem aber sollte man sich nicht allzu schnell
ekeln. Denn wenn man in der Rolle als Brandopfer mit quasi versenkten Haaren
und rußgeschwärztem Gesicht in den Spiegel schaut, sagen sich viele,
ach nee, lieber doch nicht und brechen das Rollenspiel ab“, erzählte
sie. Solche so genannten realistischen Unfalldarstellungen seien aber besonders
wichtig, um gerade jungen Feuerwehrmännern die Realität zu verdeutlichen.
„Unser Anliegen ist es, die jungen Leute spielerisch an den Alltag eines
Feuerwehrmannes heranzuführen“, erklärte Michael Leitert. „Wir
wollen keinen unter Druck setzen und durch die Gegend hetzen, sondern lassen
uns für alles genügend Zeit, damit die Jugendlichen genau zuschauen,
bei allem mitmachen und Schritt für Schritt daraus lernen können.“
Und sein Konzept scheint aufzugehen. „Das sieht man an der Beigeisterung
und dem großen Ernst, mit dem die Kinder und Jugendlichen da zuschauen
und mitmachen“, meinte Leitert am Ende des Übungseinsatzes zufrieden.
Hinterher beim Grillen auf dem Hafengelände gab es noch mal ein Feuer,
dieses Mal aber ein ganz harmloses. Bei Würstchen, Steak und warmen Getränken
ließ es sich die ganze Mannschaft dann so richtig gut gehen und tankte
wieder neue Energie.
Mit Jugendwart Mike Krause sprach Jacques Kommer über die Wehrübung.
MAZ: Wer hat bei den Einsätzen mitgemacht?
Mike Krause: Von den acht Feuerwehren, die es in Königs
Wusterhausen gibt, haben sieben mitgemacht, also 50 Mann.
Was war das Ziel?
Krause: Die Kinder und Jugendlichen sollen den Alltag eines
Feuerwehrmanns kennen lernen. Außerdem soll die Gemeinschaft gestärkt
werden.
Wann ist die nächste Aktion?
Krause: Im Juli 2010. Dann findet unser Jugendlager im schleswig-holsteinischen
Kremdorf statt. Da wird es wieder simulierte Einsätze geben. Nur viel intensiver.
Wer kann zum Jugendlager kommen?
Krause: Natürlich alle Kinder und Jugendliche, die Interesse
für die Feuerwehr mitbringen.
Gibt es ein Nachwuchsproblem bei der Feuerwehr?
Krause: Nein, zum Glück nicht. Feuerwehrmann ist ja nach
wie vor ein Traumberuf bei vielen Jungen.
Und wie sieht es mit den Mädchen aus?
Krause: Die werden auch immer mehr. In manchen Feuerwehrwachen
gibt es mehr Mädchen als Jun-gen.
Quelle: Märkische Allgemeine, Dahme-Kurier, von Jacques
Kommer, 19.10.2009
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